Tagebuch des Digitalen Wandels zu Ostern: Ein kleiner digitaler Thesenanschlag

Wieder eine Woche geschafft. Das Wichtigste: alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gesund. Das Geschäft läuft gut und ohne Ruckeln. Eigentlich alles gut. Aber wie sagte neulich eine Mitarbeiterin: „Es fängt an, sich normal anzufühlen – so wie es ist, soll es sich aber nicht normal anfühlen!“

Nehmen wir diese kurze Woche so wie sie ist und freuen uns über das gute Wetter, den tollen Frühling und darüber, dass Ostern vor der Tür steht. Vielleicht auch erstmals Zeit, einige Erkenntnisse der letzten Wochen ein wenig zu sortieren und in einige Thesen zu packen, darüber nachzudenken und sie zu diskutieren. Here we go:

Nicht-Digitalisierung muss man sich leisten können“

Unsere Telekommunikationsabrechnung für den März ist durch und zeigt interessante statistische Effekte beim Kommunikationsverhalten der Kunden. Insgesamt sind die Telefonverkehre um 43% gegenüber dem Vormonat gestiegen – die Verkehre in den Mobilfunknetzen sogar um 50%. Und dabei sind Internet-basierte Aktivitäten wie Teams o.ä. gar nicht inbegriffen. Manche Kunden lernen nun, dass das Konzept „wir machen Home-Office, indem wir alle Anrufe auf die Mobiltelefone der Mitarbeiter umleiten“ ein sehr teurer Spass sein kann.

Diese Erkenntnis ist Wasser auf unsere Mühlen. Folgerichtig läuft der Vertrieb von neuen Kommunikationswerkzeugen wie dem digitalen Besprechungsraum auf Hochtouren. Dies natürlich verbunden mit Breitband und hier speziell mit Glasfaser, Glasfaser und nochmals Glasfaser. Langsam wird den Kunden klar, dass die Kapazitäten für den weiteren Ausbau krisenbedingt auch immer knapper und somit auch teurer werden – genauso wie Rechner, Headsets usw. usf. Auch hier ist ‚Warten‘ gleichbedeutend mit ‚Draufzahlen‘.

„Digitalisierung läuft jetzt stellenweise mit der Brechstange – Gott sei Dank!“
(Zitat eines Kunden)

Dort wo Kunden – aber auch wir selbst – mit der Situation konfrontiert werden, tatsächlich gar nichts mehr an den eigentlichen Standorten tun zu können, dort finden sich plötzlich sehr schnell Lösungen letztlich auch für den ‚analogen Bodensatz‘. Plötzlich sind bei Teleport die physischen Postfächer restlos und gähnend leer. Es wird kein einziger Brief mehr gedruckt, kouvertiert und frankiert – nach den monatlich tausenden per ePost versandten Rechnungen werden nun auch die letzten paar dutzend Schreiben komplett elektronisch erzeugt, unterschrieben und versandt. Rechnungen brauchen nun keinen Papier-Anhänger mehr und müssen nicht mehr physisch freigezeichnet werden. Die Rechnungsprüfung im Telekommunikationsgeschäft – ein Höllenjob – ist restlos digitalisiert und wird auf dieser Basis nun endlich automatisiert (hört sich leichter an als es ist). Zwei Wochen Shut-down schaffen den ‚normativen Druck des Faktischen‘ und erzwingen Lösungen.

Und so geht es vielen Kunden – plötzlich ‚müssen sie können‘ und mit dieser Motivation ‚können‘ sie auch. Was sagt uns das für die Gesamtwirtschaft?

„Die IT-Wirtschaft ist nicht Bestandteil des Problems – sie ist Bestandteil der Lösung“

Nach einigen Wochen Krise und an der Schwelle zu einer kräftigen Wirtschafts-Rezession findet sich nun auch die Zeit, sich mit der Zukunft zu beschäftigen. Das beinhaltet die Frage, wie eine stärkere, eine widerstandsfähigere Wirtschaft aussehen kann. Das Zauberwort hierfür heißt ‚Resilienz‘ – also die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegen äußere Störungen aller möglicher Art – seien es nun durchgeknallte amerikanische Präsidenten, Klimawandel, Cyber-War, Naturkatastrophen oder Epidemien. Über all das nachzudenken und einen Beitrag zur Resilienz unserer Wirtschaft und unserer Verwaltung zu liefern – auch das ist die Aufgabe unserer gemeinsamen Unternehmung Teleport. Insofern sind wir gespannt auf die Zukunft und gleichzeitig optimistisch – wer, wenn nicht wir soll’s besser machen?

„Die Krise offenbart alle Schwächen“

Dabei ist es sinnvoll, nach dem ersten Schrecken auch sehr gründlich darauf zu schauen, was diese Krise exemplarisch offenbart. Das gilt im Großen wie im Kleinen – also auch vor der eigenen Haustür. Ein Beispiel: Das Hosting einiger Lösungen ‚in Blech‘ – d.h. mit eigener Technik z.B. im angemieteten Rechenzentrum ist in der Krise deutlich an seine Grenzen gekommen. Echte und unbegrenzte Skalierbarkeit gibt es eben nur in der Cloud. Und auch wenn die Kunden das anders wollten – jetzt funktioniert’s halt nicht mehr – kurfristig hilft hier nur ‚tweaking und tuning‘; mittelfristig motiviert es uns, Kunden nun mit noch größerem Nachdruck ‚in die Cloud‘ zu drängen.

Aber auch auf Ebene des Landes und des Bundes sowie in der von uns betreuten Wirtschaft haben sich viele Schwächen offenbart, die wir politisch aufarbeiten müssen. Breitbandausbau, Deformation der Wirtschaft durch Förderung, wirtschaftliche Monokulturen, fehlende oder zentralstaatlich angemaßte Innovationssteuerung, ein Bild des Jammers in der digitalen Bildung und so weiter und so fort: Wir sind seit Jahren die Rufer in der Wüste. Was hilft’s: auch in Zukunft werden für uns das Engagement in Fachverbänden und Gremien sowie öffentlichkeitswirksame Stellungnahmen in Medien mehr und mehr zum Geschäft dazugehören. Wir können Probleme im Kleinen nicht lösen, wenn die große Linie nicht sauber justiert ist. Wer da als engagierter Homo politicus mitmachen möchte, kann gern mit uns ins Gespräch kommen.

„Datenschützer müssen nun endlich Verantwortung übernehmen“

Ein spezielles Ärgernis in dieser Krise ist eine verheerende Rolle von Datenschützern insbesondere der öffentlichen Hand. In vielen Fällen und auf allen Ebenen hören wir von verzagten ‚Bedenkenträgern‘ als einziges Gegenargument gegen die von uns favorisierten Cloud-Lösungen „…wegen dem Datenschutz…“ (das ist schon mal grammatisch falsch). Auf die Aufforderung, mal eine Frage draus zu machen, kommt meist das Argument, dass die Lösungen ja nicht vom obersten Datenschützer freigegeben worden sind (wer auch immer das sein soll). Beispiel Microsoft: Tatsächlich gibt es derzeit keine konkreten Forderungen, die Änderungen von Microsoft Cloud Lösungen sind „in Prüfung“ und selbst deutsche Datenschützer ‚dulden‘ die Lösung vorbehaltlich weiterer Prüfungen – da darf jetzt jeder draus machen was er möchte…

Ob nun in Gesundheitsämtern oder in Datenschutzbehörden: Es wäre nun endlich mal an der Zeit, dass Behörden nicht nur zögern, zaudern, prüfen oder Bedenken produzieren sondern klare Entscheidungen treffen und die Wirtschaft und Verwaltung lösungs- und wertschöpfungsorientiert beraten.

You ain’t seen nothin‘ yet – das war (möglicherweise) noch garnichts“

Bei der letzten These fällt es schwer, sie ins Osterwochenende mitzugeben. Aber schon bei unserer Anzeige „Hilfe, mein Unternehmen muss eine Epidemie überleben“ waren wir schonungslos ehrlich. Die Covit19 Krise ist lange nicht vorbei. Sie mag sogar noch nicht einmal ihren Höhepunkt überschritten haben, da sich die gesamte Gesellschaft nun schrittweise in einen Exit tasten muss. Dabei kann es Rückschläge geben. Wir dürfen nicht vergessen, dass bisher vermutlich erst ein Promille aller Bürger erkrankt waren und es noch immer keine echte Behandlung gibt.

Daher unsere Bitte: auch wenn es draußen schön ist und der Frühling Lust auf Gemeinschaft macht, bitte haltet die Regelungen des ‚physical distancing‘ (finden wir besser als ‚social distancing‘) dringend ein. Lasst uns auf diese Weise gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Wir wünschen ein schönes Osterfest!