Digitalisierungsgeschichten: Giant STEPS

Wie Digitalisierungsprojekte in Corona-Zeiten entstehen

Die Geschichte beginnt mit einem unglücklichen Mädchen – nennen wir sie Julia. Julia ist nun seit Wochen nicht mehr in der Schule gewesen und schlimmer noch – seit Wochen konnte sie nicht mehr zu ihrem Tanzunterricht gehen. Die Tanzschule STEPS DANCECENTER versucht alles, um für Julia und weitere ca. 650 Tanzschülerinnen und Tanzschüler ein irgendwie geartetes Angebot zu gestalten und aufrecht zu erhalten. 54 Kurse pro Woche laufen in normalen Zeiten – aber die Zeiten sind nicht normal. Mithilfe von Video-Übertragungen bemühen sich die Tanzlehrerinnen, Kontakt zu halten, Übungsstunden zu übertragen und ihre Eleven aktiv zu halten.

Jedoch: die Tonqualität ist grauenhaft – man hört praktisch nichts von der Musik. Oder die Bildqualität ist furchtbar – immer wieder bleibt das Bild stehen. Wenn es gut kommt, kann man etwas hören und sehen – es passt jedoch meist nicht zusammen. Und: nach 40 Minuten bricht der Video-Dienst Zoom die Übungsstunde einfach ab.

An einem traurigen Samstag-Nachmittag reicht es Julias Vater. Er beschwert sich aber nicht bei der Tanzschule, sondern ruft bei einem TELEPORT Mitarbeiter an. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse:

Am Montag gibt es den ersten telefonischen Kontakt zwischen Teleport und der Tanzschule STEPS DANCECENTER in Magdeburg. Man verabredet sich für Dienstagabend.

Am Dienstag erstes Kennenlernen vor Ort: die Säale der Tanzschule sind in einem wunderschönen Hinterhof-Altbau gelegen und hell und mit riesigen Spiegeln. Die Performance der Tanzlehrerin ist voller Energie. Danach kniet sie sich vor einen Stuhl und versucht, über ihr Handy mit ihren ca. 20 Kursteilnehmern zu sprechen. Es geht eher ‚so mittel‘. Die akustischen Probleme der Musik- und Sprachübertragung aus dem leeren Saal sind kaum zu überwinden – vom Video spricht kaum jemand. Es wird ein Termin für diverse Technik-Tests am nächsten Montag verabredet – zwischendurch ist das verlängerte Wochenende mit dem ersten Mai.

Am Mittwoch wird bei Teleport geplant: verschiedene Varianten für die Audio- und Videotechnik, für die Internet-Übertragung sowie für den mechanischen Aufbau werden konzipiert und die Stücklisten vorbereitet; am Donnerstag werden die Varianten bei Teleport auf technische Funktionsfähigkeit durchgetestet.

Nachdem Teleport am Wochenende die Premiere der Digitalen Bühne über dieselbe gebracht hat, geht es am darauffolgenden Montag weiter. Zwei Mitarbeiter kommen mit einer großen Kiste Technik – verschiedene Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Übertragungstechnik und Rechner. Große Augen im Tanzstudio: So viel Technik?!? Nein – aus dem ganzen Berg suchen wir jetzt das geeignete raus.

Die erste Variante wird aufgebaut – ein Mitarbeiter setzt sich als simulierter Nutzer in einen Nebenraum. Im Tanzsaal fliegen dem anderen Mitarbeiter fast die Ohren vom Stamm – es geht zur Sache. Auch hier wird schnell klar: Video ist kein Problem – die Audio-Geräte gehen an ihre Grenzen und darüber hinaus. Nach einigen Varianten und Regelungen scheint der ‚Hinweg‘ vom Tanzstudio zum Nutzer ok. Bild und Ton laufen synchron – das ist hier das Wichtigste. Dagegen ist der Rückkanal fast ein Kinderspiel. Wichtig auch: das Eigenbild der Tanzlehrerin – schließlich tanzt sie sonst vor dem Spiegel. Hier gibt es noch ein kleines Problem und eine Hausaufgabe für die Teleporter.

Montag abend, die Auswertung danach: Die Chefin ist zufrieden und drängt zum nächsten Schritt – ein Test-Kurs. Wann? Morgen! Tiefes Durchatmen – okaayyy… ok, machen wir so. Noch den Einladungs-Link vorbereiten und versenden – Schnellstartanleitung mit dazu – toi, toi, toi.

Dienstag morgen: die Testergebnisse und die daraus resultierende Technik-Konstellation werden dokumentiert und das Rest-Problem gelöst. Wie soll denn jetzt das Eigenbild für die Tanzlehrerinnen aussehen – echt oder spiegelverkehrt? Die eine sagt so, die andere sagt so. Bauen wir also noch ein wenig Flexibilität ein. Wichtig: alles wird nochmal getestet; für den ersten Eindruck gibt es schließlich keine zweite Chance.

Dienstag abend: mit einer deutlich kleineren Kiste Technik wird der Test-Kurs vorbereitet. Nach zehn Minuten läuft alles – auch heute spielt ein Mitarbeiter einen Test-Nutzer um alle Probleme sofort selbst erkennen und schnell beheben zu können. Die Kurs-Teilnehmer treten in das Digitale Studio ein – großes Hallo und Freude beim Wiedersehen. Bei zweien gibt es Internet-Probleme, alle anderen kamen sauber rein.

Der Kurs geht los – auf dem über Mobilfunk mitlaufenden Laptop und einem Test-iPhone kommt alles sauber und synchron an. Nach dem Aufwärm-Teil erstes Feed-back von den Teilnehmern: viiieeel besser als vorher. Den begleitenden Chat zu benutzen, daran müssen sich allerdings alle erst einmal gewöhnen. Eine Teilnehmerin gibt wegen mangelhafter Internet-Verbindung auf.

Dienstag, 21 Uhr – Auswertung. Endlich sehen die Tanzlehrerinnen eine gute Perspektive – so kann es laufen. Jetzt müssen wir noch über Zahlen sprechen – aber heute abend heißt es erst einmal: party success!

Mittwoch, 15:15 Uhr – wir reden über Zahlen. Die bestehende Internet-Verbindung muss ‚aufgebohrt‘ werden – das geht fast preisgleich. Die Kosten für das ‚Chassis‘ des Digitalen Studios sind auch sehr Corona-freundlich, ebenso wie die Laufzeit sehr fair ist. Knackpunkt ist die Technik für zwei Säale – investieren ist jetzt für STEPS nicht drin (verständlich). Ist auch nicht nötig. Die Technik gibt es zu freundlichen Raten mit Rückkaufoption, sollte Corona schnell vorbei sein.

16:00 – man trennt sich und ist sich einig.

18:30 – das Angebot wurde erstellt und wird übersandt. Gleichzeitig werden die zeitkritischsten Komponenten bereits bestellt – falls es nichts wird, können wir die auch noch woanders nutzen.

19:20 – das Angebot wird bestätigt. Parallel wurde die Umsetzung gestartet. Hoffentlich klappen die Zulieferungen…

Montag, 15 Uhr – alle Lieferungen sind endlich eingetroffen, die Technik wird eingerichtet und endgetestet.

Dienstag, 15 Uhr – alle Vorarbeiten geleistet – die Einweisung der Tanzlehrerinnen ist vollzogen und der erste reguläre Kurs im Digitalen Studio startet.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag gibt es noch Hilfestellungen, Messungen und die Klärung von Verständnisproblemen. Alle Beteiligten lernen. Es wird klar, dass die mobilen Datenverbindungen im Hinterhof alles andere als optimal sind – bei der Bestellung der Internet-Festanbindung wird Gas gegeben. Am Ende der Woche haben sich alle Lehrkräfte mit dem neuen System eingefuchst. Bei der einen oder anderen Teilnehmerin ist das Internet zu langsam und die Bilder ruckeln auch mal, aber für die allermeisten laufen Ton und Bild flüssig und vor allem synchron.

Retardierendes Moment

Samstag morgen – eigentlich sollte das der Abschluss einer erfolgreichen Woche sein. Und: es sollte das erste Mal sein, dass Julia mit der neuen Technik an einem Kurs teilnimmt. Alles könnte so schön sein. Und da es so schön zu sein verspricht, schaut der TELEPORT Chef einfach mal in die laufende Session. Und schafft ein kleines Desaster. Was er hätte wissen müssen: zweimal mit demselben Account anmelden nimmt der Dienst ziemlich übel – zu Recht. Ergebnis: der Kurs geht ‚in die Hose‘ – Julia bleibt unglücklich. Und der TELEPORT Chef hat ein übelgelauntes Wochenende.

Aber was hilft’s: zerknirschter Anruf bei der STEPS Chefin, Krönchen zurechtrücken, alles noch mal überprüfen und weitermachen. Die Woche bleibt ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Samstag lassen wir es einfach laufen und: es läuft.

Samstag 11 Uhr – Julia ist glücklich!

Und um Neil Armstrong abzuwandeln: „One small STEP for a little girl, one giant leap for STEPS Dancecenter.“

Was haben wir gelernt?

  1. Man kann an der Basis eine Menge standardisieren – der Überbau ‚vor-Ort‘ stellt oft seine eigenen Bedingungen.
  2. Mitunter vermutet man die Probleme an sehr anderen Stellen, als sie wirklich auftreten.
  3. Zuviel Zuwendung zu einem Projekt kann auch mal zum Stocken bringen.
  4. Und: Kleine unglückliche Mädchen sind gute Digitalisierungstreiber!